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Möge die Macht mit uns sein?


Blauer Salon Prof. Dr. Dahlgrün
Prof. Dr. Dahlgrün
Blauer Salon Jürgen Loyen
Jürgen Loyen, Leiter der Bildungseinrichtungen
Blauer Salon Jürgen Loyen Prof Dahlgrün

Mit dieser Frage startete am 4. Juni 2025 die Neuauflage des öffentlichen Gesprächsformats der Bildungseinrichtungen der Thüringer Polizei „Der Blaue Salon“ im schönen Ambiente des Hotels „Sächsischer Hof“ in Meiningen. Etwa 50 Interessierte, darunter geladene Gäste aus Gesellschaft, Kirche und Polizei, waren gekommen, um einem Vortrag von Prof. Dr. Corinna Dahlgrün über das Wesen der Macht aus theologischer und gesellschaftspolitischer Perspektive zu folgen.

Eingeleitet wurde der Abend durch den Leiter der Bildungseinrichtungen, Leitender Polizeidirektor Jürgen Loyen, der dem Publikum die Theologin, Seelsorgerin und Universitätsdozentin der Theologischen Fakultät Universität Jena vorstellte.

In einer Reihe von Veranstaltungen widmet sich das Gesprächsforum in diesem Jahr dem Thema „Macht und Ohnmacht“. Im Mittelpunkt der Überlegungen der Referentin standen demzufolge die Phänomene Macht, Machtmissbrauch und Machtlosigkeit. Machtlosigkeit beispielsweise nötigt zu der Überlegung, was man tun kann, wenn man nichts tun kann?

Professorin Dahlgrün machte deutlich, dass es keine machtfreien Räume gebe. Im Kontext der Polizei etwa bedeute Macht nicht nur Autorität, sondern Verantwortung. Das heißt, beispielsweise Entscheidungen zu treffen, die das Leben anderer unmittelbar betreffen können.

Aus theologischer Sicht, so Dahlgrün, sei es unerlässlich, das eigene Verhältnis zur Macht zu hinterfragen und ein Gespür für den richtigen Gebrauch der Macht zu entwickeln. Denn Macht sei nie neutral – sie bedürfe der ethischen Einbettung in anerkannte Normen sowie der fortwährenden Selbstreflexion. Wer Macht ausübe, solle offen sein für Kritik und bereit, sich leiten zu lassen – nicht zuletzt vom Wert der Gerechtigkeit und dem Geist der Demut. In der Seelsorge, so führte sie weiter aus, zeige sich Macht in einer feinen, beinahe unsichtbaren Weise: allein durch die Bitte um Hilfe verleihe der Ratsuchende dem Seelsorger Macht – eine Macht, die sorgsam getragen und nicht ausgenutzt werden dürfe.

Auch die dunklen Seiten der Macht hinsichtlich der Machthabenden wurden nicht ausgespart: Einsamkeit, Entfremdung, die Verlockung von Popularität. Macht könne isolieren und blind machen, gerade dann, wenn sie nicht mehr mit anderen geteilt werde.

In der anschließenden Diskussionsrunde, moderiert vom katholischen Landespolizeiseelsorger Michael Turbiasz, wurden weitere Fragen durch das Publikum zur Machtthematik gestellt. Wann ist Macht legitim und wie kann der verantwortliche Gebrauch von Macht eingeübt werden? Es folgte eine angeregte Diskussion, an der sich auch die anwesende Landrätin des Landkreises Schmalkalden-Meiningen, Peggy Greiser, beteiligte.

Eine wichtige Erkenntnis zog sich schließlich wie ein roter Faden durch das Gespräch: Der Mensch ist ein auf Gemeinschaft ausgerichtetes Wesen. Bereits im Kindesalter werden Fundamente eines gelingenden Miteinanders gelegt, die den Missbrauch von Macht verhindern. Durch gegenseitige Achtung, durch Vertrauen, durch das Erleben des Behütetseins. Macht, die gerecht ist, ist deshalb keine, die dominiert, sondern fördert sowie schützt und damit Entwicklungsmöglichkeiten für den Einzelnen wie für die Gemeinschaft eröffnet.

In abschließenden Worten dankte Jürgen Loyen der Referentin für ihre wegweisenden Impulse. Beeindruckt von der gedanklichen Dichte des Vortrages und angetan von der Offenheit der anschließenden Diskussion ging das Publikum sichtlich bewegt nach Hause.

Der nächste „Blauen Salon“ ist für den 20. August 2025 angekündigt.

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